Wir leben in interessanten Zeiten: Es ist das Informationszeitalter, und jeder, der Zugang zum Internet hat, findet dort eine Flut an Informationen. Das ist sowohl ein Segen als auch ein Fluch.

Informationsflut

Viele Menschen sind von der Informationsflut überfordert – sowohl von der nahezu grenzenlosen Menge als auch vom Inhalt. Das menschliche Gehirn kann zwar an einem Tag viele neue Informationen aufnehmen, doch seine Aufnahmefähigkeit ist begrenzt. Eine Informationsüberflutung beeinträchtigt die Denkfähigkeit.

Enthüllungen bisher unbekannter Fakten, über die zusätzlich widersprüchliche Informationen im Umlauf sind, können schnell zu Zweifeln am Wahrheitsgehalt der Informationen führen – ein ungeübter Verstand erkennt mögliche Unwahrheiten nicht sofort. Dadurch entsteht nicht nur Verwirrung; auch der Faktor Angst kommt hinzu, weil ein verwirrter Geist nicht in der Lage ist, mögliche Gefahren korrekt einzuschätzen, und in Panik gerät. Die Medien gießen kräftig Benzin ins Feuer und schüren noch mehr Angst – bewusst oder unbewusst.

Es ist nicht meine Absicht, in meinem Beitrag die Lügen der Medien oder sonstiger Informationsquellen aufzuspüren oder zu analysieren. Ein werdender Meister der Kunst des selbstständigen Denkens findet darin jedoch ein gutes Betätigungsfeld. Meine Absicht ist es vielmehr, den Menschen zu zeigen, was derartige „Nachrichten“ mit ihnen machen und wie sie damit umgehen können. Es geht darum, ob jemand bewusst denkt oder sich unbemerkt eines Denkautomaten bedient. Ja, automatisches Denken ist weiter verbreitet, als einem lieb ist. Ich werde auch zeigen, wie man vorgehen kann, um den eigenen Verstand darin zu schulen, Unwahrheiten zu identifizieren. Dies ist kein Patentrezept für die Wahrheit, aber ein Weg zu bewusstem Denken.

Mentales Immunsystem

Mit bewusstem Denken richtet ein Mensch ein mentales Immunsystem ein. Dies ist eine Fähigkeit, die entwickelt werden muss; in der Schule wird sie nicht gelehrt. Der menschliche Körper verfügt über ein Immunsystem, das ihn vor lebensbedrohlichen Einflüssen schützt. Von der Wirksamkeit dieses Immunsystems hängt die Gesundheit eines Menschen ab.

Das mentale Immunsystem hat ebenfalls eine schützende Funktion und warnt den Menschen – wenn es vollständig entwickelt ist – vor mentalen Invasionen und wehrt sie ab. In einem Computersystem wäre die Abwehr von Computerviren mit dem mentalen Immunsystem vergleichbar. Diese Funktion ist keineswegs weniger wichtig als die des körperlichen Immunsystems. Ich würde sie sogar als noch wichtiger einstufen, weil der Verstand eines Menschen über seine Überlebensfähigkeit entscheidet.

Läuft ein Mensch falschen Ideen hinterher, kann dies trotz bester körperlicher Gesundheit sein Ende bedeuten. Terroristen, geleitet von radikalen Überzeugungen, töten unschuldige Menschen – oft auch sich selbst. Doch der Glaube an welche Dogmen hat sie dazu bewegt?

Das mentale Immunsystem betrifft – im Gegensatz zum körperlichen – nicht nur den einzelnen Menschen selbst, sondern auch seine Liebsten, beginnend bei der Familie bis hin zur ganzen Nation oder sogar darüber hinaus. Ein Führer einer Atommacht kann durch falsche Überzeugungen die gesamte Menschheit ausrotten.

Es ist definitiv nicht egal, was ein Mensch denkt und ob er sich der Folgen seines eigenen Denkens bewusst ist. Die Kriegsgedanken sind noch immer nicht ausgeMerzt.

Lügen erkennen

Menschen, die alles glauben, was ihnen präsentiert wird, verfügen über kein mentales Immunsystem und sind möglichen „Viren“ in Form von Dogmen ausgeliefert. Solange ein Mensch eine Unwahrheit als Wahrheit akzeptiert, verselbstständigt sie sich in seinem Denkprozess und beeinträchtigt massiv seine Fähigkeit, weitere Unwahrheiten zu identifizieren. Eine falsche Information im Entscheidungsprozess führt zwangsläufig zu falschen Entscheidungen – auch in Bezug auf die Fähigkeit, neue Lügen erkennen zu können.

Somit ist es für einen Menschen von entscheidender Bedeutung, bereits als wahr akzeptierte Unwahrheiten als Lügen zu erkennen und zu beseitigen.

Das eigene mentale Immunsystem kann den Menschen nur dann vor neuen Unwahrheiten schützen, wenn in seinem Denken die Fähigkeit entwickelt wird, auch die eigenen Irrtümer zu erkennen.

Diese Fähigkeit bringt mehrere Vorteile mit sich. Erstens haben erkannte Unwahrheiten keinen Einfluss mehr auf das eigene Denken, was zu Klarheit im Kopf führt; die Verwirrung durch Widersprüche verschwindet. Das bewusste Denken wird aktiviert und bildet ein Schutzschild des mentalen Immunsystems. Damit verschwinden auch die durch Lügen verursachten Ängste – der Parasympathikus kann aktiviert werden.

Ruhe im Geist kann erst jetzt einkehren: Der Mensch denkt selbst und überlässt das Denken nicht anderen.

Ich habe Methoden ausgearbeitet, um das eigene Denken so weit zu schulen, dass man Unwahrheiten als Lügen erkennt. Ich bin Pragmatiker und akzeptiere nur praktisch erprobte Methoden, die jeder selbst ausprobieren und überprüfen kann – keine Theorien oder Dogmen.

Übrigens sind Dogmen von der Wahrheit sehr weit entfernt. Es sind Aussagen, die man nicht infrage stellen darf – gewissermaßen festgeschriebene Lügen. Sie sind überall zu finden, vor allem in Religionen, aber keineswegs nur dort.

Um Meisterschaft in einem beliebigen Bereich zu erlangen, sind starkes Interesse und viel Engagement nötig. Einige behaupten, dafür seien etwa 1.000 Stunden erforderlich. Auch die Fähigkeit, Lügen zu entlarven, ist eine Fertigkeit, die geschult werden muss.

Aktuell ist dies nahezu eine Lebensaufgabe, da zu viele Unwahrheiten im Umlauf sind. Je früher man damit beginnt, desto besser. Schon die Geschichte von Adam und Eva ist mit Unwahrheiten gespickt – und sie sind nicht die ersten, die sich bis heute fortgesetzt haben.

Bewusstes Denken

Manchmal provoziere ich Menschen mit der Frage, ob sie bewusst denken können. Einige sind beleidigt. Andere schießen wie aus der Pistole: „Selbstverständlich kann ich bewusst denken.“ Und nur wenige halten kurz inne, schauen mich an und fragen: „Was meinst du damit?

Die Ersten gehören wahrscheinlich zur egozentrischen Gruppe, die sich der eigenen Subjektivität nicht bewusst ist. Sie sind fest von der Richtigkeit ihres eigenen „Wissens“ überzeugt und streiten mit jedem, der eine andere Meinung hat.

Die zweite Gruppe ist sehr verbreitet. Es sind Menschen, die einmal aufgenommenes „Wissen“ später nicht mehr infrage stellen – auch dann nicht, wenn Hinweise auf einen möglichen Irrtum vorliegen. So wie man nach jahrelanger Praxis, ein Auto zu fahren, nicht mehr darüber nachdenkt, wie es geht, bleiben sie bei automatischen Reaktionen auf Fragen. Es kommen immer wieder die gleichen Antworten – eine Denkroutine.

Die dritte Gruppe bilden Menschen, die nicht automatisch antworten. Sie sind sich wahrscheinlich sowohl der Subjektivität ihres eigenen Denkens bewusst als auch der Fähigkeit, dieses kritisch zu hinterfragen. Das sind bewusst Denkende, die die besten Chancen haben, Unwahrheiten zu entlarven – auch die eigenen. Nur eine Rückreflexion der eigenen Denk- und Vorgehensweise ermöglicht vollbewusstes Denken.

Die Grenzen zwischen den Gruppen sind fließend. Jeder hat seine eigene Mischung davon und jeder hat die Möglichkeit, das eigene Denken so weit zu schulen, bis sich die Fähigkeit einstellt, Unwahrheiten zu erkennen. Es ist nicht notwendig, ein Experte auf allen Gebieten zu sein, um eine krasse Lüge zu identifizieren. Es basiert auf rein logischem Denken – und das lässt sich schulen.

Selbständiges Denken - für wen?

Eigentlich gilt das für jeden, aber besonders für jene, die das Denken nicht den anderen überlassen möchten. Wenn ein Mensch nur wahre Informationen im Geist hätte, würde er auf allen Gebieten große Erfolge feiern. Die gesellschaftliche Praxis zeigt jedoch ein anderes Bild: Die meisten haben nur wenig Erfolg – für mich ein Hinweis auf falsche Glaubenssätze, die es zu identifizieren gilt. Ein falscher Glaubenssatz führt zwangsläufig zu Misserfolgen.

Es ist also sowohl für den CEO eines Unternehmens als auch für einen geistig orientierten Menschen von Bedeutung, um zwei extrem weit auseinanderliegende Denkweisen zu nennen. Für alle anderen ebenfalls.

Das höchste Privileg eines Menschen ist, er selbst zu sein.

Die meisten Menschen gehen davon aus, dass all das, was sie als eigenes „Wissen“ im Kopf tragen, die pure Wahrheit ist. Wenn man sich jedoch den Prozess der „Erziehung“ anschaut, kommen Zweifel auf.